Rechtsfragen der Obduktion und postmortalen Gewebespende by Prof. Dr. med. Hans-Friedrich Kienzle (auth.), Albrecht

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By Prof. Dr. med. Hans-Friedrich Kienzle (auth.), Albrecht Wienke, Markus A. Rothschild, Kathrin Janke (eds.)

Bei über ninety five % aller Verstorbenen in Deutschland bestehen nach wie vor keine autoptisch gesicherten Erkenntnisse über die eigentliche Todesursache und etwaige Begleiterkrankungen. Die auf einer solchen unsicheren Datenlage beruhenden gesundheitspolitischen Entscheidungen zu Disease-Management-Programmen, zu Prävention und strukturellen Maßnahmen der Krankenversorgung entsprechen damit nicht der erforderlichen Evidenz. Dies hat zugleich unfavorable Auswirkungen auf die Qualität ärztlicher Diagnostik und Therapie und somit auf die Patientensicherheit. Zudem machen es die sehr unterschiedlichen Rechtsgrundlagen in den Landesgesetzen über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen den betroffenen Angehörigen und den Mediziner in der praktischen Umsetzung der oft widerstreitenden Interessen nicht leicht. Die klinische und anatomische Sektion ist nach derzeit allgemeiner Meinung auch im wissenschaftlichen Interesse oder zu Ausbildungszwecken ohne Zustimmung des Verstorbenen oder seiner Angehörigen unzulässig. Die medizinische Forschungs- und Ausbildungssituation wird durch diese Zustimmungslösung nachhaltig beeinträchtigt; eine erweiterte Widerspruchslösung könnte hierbei viele Hindernisse in der praktischen Handhabung beseitigen. Die DGMR hat sich in ihren aktuellen Empfehlungen daher für eine gesetzliche Abkopplung der postmortalen Gewebespende von der Organtransplantation im Transplantationsgesetz ausgesprochen, um die seit Jahren niedrige Obduktionsquote in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Der vorliegende Tagungsband gibt die Referate und die Empfehlungen der DGMR zur Obduktion und postmortalen Gewebespende wieder.

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Rechtsfragen der Obduktion und postmortalen Gewebespende

Bei über ninety five % aller Verstorbenen in Deutschland bestehen nach wie vor keine autoptisch gesicherten Erkenntnisse über die eigentliche Todesursache und etwaige Begleiterkrankungen. Die auf einer solchen unsicheren Datenlage beruhenden gesundheitspolitischen Entscheidungen zu Disease-Management-Programmen, zu Prävention und strukturellen Maßnahmen der Krankenversorgung entsprechen damit nicht der erforderlichen Evidenz.

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Dies sind nur einige der Schlagzeilen, die im Frühjahr 2010 die Vorlage eines Senats-Entwurfs zur Änderung des Bremer Gesetzes „über das Leichenwesen“ (BremGLW) begleiteten.  u.  2 Folgendes: Bei Kindern, die vor Vollendung des sechsten Lebensjahres gestorben sind, soll eine Obduktion durchgeführt werden, wenn die Todesursache nicht zweifelsfrei erkennbar oder nicht zweifelsfrei bekannt ist.  1 trifft der Leichenschauarzt.  1 durchzuführende Obduktion und die Möglichkeit des Widerspruchs hiergegen.

Unter deren Aufsicht tätige Ärzte gelten ebenfalls als zur Kremationsleichenschau befugt. Zur Notwendigkeit einer Obduktion nach einer Kremationsleichenschau heißt es etwa: Bei Zweifeln an der Richtigkeit der Todesbescheinigung anlässlich der 2. Leichenschau ist zu obduzieren, wenn die Zweifel nicht anders ausgeräumt werden können (z. B. § 17 Abs. -holst.  2 Nr.  B.  6 hess. FBG. Zwar ist in diesen Fällen zu obduzieren, es gibt jedoch kaum Regelungen, welche Behörde befugt ist, dann eine Obduktion anzuordnen und es fehlen Regelungen, wer die Kosten zu tragen hat (Leichentransport zum Obduktionsort, Kosten der Obduktion, Rücktransport).

2012; ausf. zur Kinderschutzdebatte Fegert/Ziegenhain/Fangerau 2010. 2 Die von Amts wegen angeordnete Sektion 35 welche Gründe wurden sonst genannt? 9 Angeblich sollen „Kriminologen“ dazu befragt worden sein – welche Kriminologen allerdings guten Gewissens behaupten würden, eine Obduktionspflicht hielte auch nur einen Täter oder eine Täterin davon ab, ein Kind (zumeist das eigene) umzubringen oder so zu verletzten, dass es an den Folgen verstirbt, ist schleierhaft. So „ticken“ solche Täterinnen und Täter nicht.

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